“Der WM-Titel muss unser Ziel sein”

Michael Schumacher, der Perfektionist

Der Perfektionist: Der 41-Jährige ist bekannt dafür, stundenlang an jedem Detail zu feilen

Herr Schumacher, nach drei Jahren Pause sind Sie seit dieser Saison wieder zurück im Rennzirkus. Was haben Sie am meisten vermisst?

Am meisten habe ich sicher die enge Zusammenarbeit mit einem Team vermisst. Zwar war ich auch in den vergangenen Jahren als Berater bei Ferrari im Motorsport dabei. Aber jetzt kann ich die Verbesserungen, die wir am Auto vornehmen, selbst auf der Strecke ausprobieren. Dieses Gefühl, wieder bei Rennen im Cockpit zu sitzen, ist einfach unbeschreiblich.

Als Sie Ihr Comeback verkündeten, sagten Sie, Sie fühlten sich wie ein Zwölfjähriger. Wirkt die Formel 1 auf Sie wie ein Jungbrunnen?

Schon möglich (lacht). Nein, im Ernst, ich habe mich von Anfang an frisch und richtig fit gefühlt. Der Teamchef bei Mercedes und mein langjähriger Freund Ross Brawn meinte kürzlich sogar, dass ich ihn an den jungen Michael Schumacher erinnere. Ein größeres Kompliment gibt es nicht. Und die Rückkehr in die Formel 1 verlief problemlos. Ich war schnell im Rhythmus und hatte weniger Umstellungsprobleme als erwartet.

Wie viel Einfluss hat Ihre Frau Corinna auf Ihre Entscheidung genommen, wieder fahren zu wollen?

Ihre Meinung ist mir extrem wichtig, wir treffen unsere Entscheidungen gemeinsam. Als der Anruf von Ross Brawn kam, hatte sie sofort gespürt, dass da wieder dieses Feuer in mir brannte. Und hat mir den Rücken gestärkt. Das ist enorm wichtig, zumal ich damit unser Familienleben sehr unerwartet auf den Kopf gestellt habe. Sie weiß um meine Leidenschaft, ohne die die Erfolge in der Vergangenheit niemals möglich gewesen wären.

Ferrari war Ihre Familie. Nun fahren Sie einen Mercedes Silberpfeil. Ist Ihnen der Wechsel schwer gefallen?

Zunächst schon, ja. Aber die Konstellation des Silberpfeil-Rennstalls ist einmalig: Mercedes mit einem hervorragenden Motor, mein Freund Ross Brawn als Teamchef, dazu sein Weltmeisterteam sowie Nico Rosberg als zweitem deutschen Fahrer. Hinzu kommt, dass ich in den 80er- und 90er-Jahren sehr viele schöne Rennen mit Mercedes erlebt habe. Daher war die Rückkehr für mich mit ganz besonderen Emotionen verbunden. Endlich kann ich ein wenig von dem zurückgeben, was mir Mercedes ermöglicht hat – den Einstieg in die Formel 1. Ich hatte mir alles wirklich gründlich überlegt und war und bin bis unter die Haarspitzen motiviert.

Und wie klappte der Umstieg auf das neue Auto?

Nach den drei Jahren war es ein bisschen so wie 1991, als ich in die Formel 1 gekommen bin: In der ersten Runde war ich von der Geschwindigkeit des Autos überrascht. Aber bereits in der zweiten Runde habe ich mich so wohlgefühlt, als wäre ich nie weg gewesen.

Der Start in die Saison verlief für Sie zum Teil etwas holprig. In Australien wurden Sie in der Startphase unverschuldet in eine Kollision verwickelt, in Malaysia verloren Sie eine Radmutter. Fühlen Sie sich vom Pech verfolgt?

Zu dem Vorfall in Melbourne muss man sagen, das ist Racing. Und der Defekt in Malaysia ist ein sehr ungewöhnlicher Vorfall. Wir haben zuvor ja eine Menge Testkilometer absolviert und keine Probleme gehabt. Solche Dinge passieren in der Formel 1 nun mal. Das war auch schon früher so. Man kann sich darüber ärgern, oder man reagiert gelassen und sagt sich, dass das zum Motorsport eben dazu gehört. Ich bin der Meinung, wir müssen jetzt nach vorne schauen und aus jedem weiteren Rennen das Beste machen. Ich bin nach wie vor optimistisch und positiv gestimmt.

Nach dem Grand Prix in Bahrain sagten Sie, Sie hätten viel Spaß gehabt. Wie wichtig ist für Sie die Freude am Fahren?

Natürlich spielt für mich die Freude am Fahren ein große Rolle. Aber ebenso klar ist, dass ich nicht Letzter werden, sondern gewinnen möchte. Denn dann macht das Fahren naturgemäß noch mehr Spaß.

Was erwarten Sie noch für diese Saison?

Ich werde mein Bestes geben und ich erwarte auch von meinem Team Leidenschaft und Einsatz. Nur so können wir Erfolg haben. Natürlich werden wir noch viel arbeiten müssen. Das Auto muss konkurrenzfähig sein. Ich bin Perfektionist und das Feilen an Details, um den Wagen immer besser zu machen, macht mir einfach nur Spaß. Weltmeister im ersten Jahr zu werden, ist vielleicht etwas zu optimistisch, aber es muss unser Ziel und Antrieb sein. Wer mich kennt, weiß das.

Die Deutsche Vermögensberatung und Sie sind schon eine lange Zeit gemeinsam unterwegs. Was bedeutet Ihnen diese Partnerschaft?

Wir arbeiten seit 1997 zusammen. In den Jahren hat sich daraus eine intensive persönliche Verbundenheit entwickelt. Die Deutsche Vermögensberatung hat mir auch in meiner inaktiven Zeit immer die Treue gehalten. Das hat mich sehr beeindruckt. Genauso wie der Vorstandsvorsitzende und Unternehmensgründer Prof. Dr. Reinfried Pohl, der die Mitglieder der Berufsgemeinschaft der Vermögensberater immer wieder motiviert, das Beste zu geben, mit Herzblut dabei zu sein, nicht auf Bestehendem zu beharren und neue Wege zu gehen. Das sind Eigenschaften, die im Beruf wie im Sport gleichermaßen wichtig sind für den Erfolg.

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