Wenn Erfolg im Blut liegt
Selten haben Kinder
… einer Familie dieselben Charaktereigenschaften, Talente und Fähigkeiten. Doch es gibt Ausnahmen, in denen Geschwister nicht nur in gleichen oder ähnlichen Gebieten aktiv sind, sondern darüber hinaus in ihrem Gebiet besondere Erfolge haben. Prominente Beispiele gibt es viele: Die Gottschalk-Brüder im Show-Business, die Epple-Schwestern im Skisport, die Hoeneß-Brüder im Fußball oder die ALDI-Brüder im Einzelhandel, um nur einige wenige zu nennen. Nicht ganz so prominent, aber in ihrem Gebiet nicht weniger erfolgreich sind Andreas und Reinfried Pohl, beide Miteigentümer und Generalbevollmächtigte der Deutschen Vermögensberatung, mit über 1,2 Milliarden Euro Umsatz die Nummer 1 der eigenständigen Finanzvertriebe.
Eine erste Frage an Sie beide, die wohl jeden besonders interessiert: Gibt es zwischen Brüdern nicht mehr Streit als anderswo, wenn beide in so bedeutender Position im gleichen Unternehmen arbeiten?
Andreas Pohl: Genau das Gegenteil ist der Fall. Unsere Stärke ist, dass wir ein Familienunternehmen sind. Dieser Stärke sind wir uns bewusst, und genau deshalb stellen mein Bruder und ich persönliche Interessen immer hintenan. Denn es muss für jeden Mitarbeiter und jeden unserer 35.000 Vermögensberater sichtbar sein, dass zwischen uns, wie man so schön sagt, kein Blatt Papier passt.
Immer Konsens, keine Meinungsverschiedenheiten also?
Reinfried Pohl: Nicht immer, aber im Grunde stimmt es schon, und dafür gibt es eine klare Ursache: Wir arbeiten jetzt beide seit 25 Jahren an der Seite unseres Vaters, der das Unternehmen gegründet und aufgebaut hat. Von ihm haben wir beide sehr viel gelernt. So greifen wir auf die gleichen Grundlagen zurück, und so erstaunt es auch nicht, dass wir in den meisten Fragestellungen zu den gleichen oder sehr ähnlichen Antworten kommen.
Andreas Pohl: Und wenn dies einmal nicht der Fall sein sollte, dann tagt gemeinsam mit unserem Vater der „Familienrat“. Das kann auch schon einmal am Sonntagabend sein, wenn wir uns kurzerhand spontan treffen, um über eine wichtige Entscheidung zu diskutieren.
Gibt es trotz aller Gemeinsamkeit doch Punkte, in denen Sie sich unterscheiden?
Reinfried Pohl: Aber ja, und zwar nicht nur äußerlich und im Lebensalter. Wenn man Dritte fragt, hören wir oft, dass ich mehr als der „kaufmännische Typ“ gesehen werde, mein Bruder eher als der Vertriebsmann. Da ist schon was dran, wobei in einem Vertriebsunternehmen wie dem unsrigen im Grunde bei jedem Mitarbeiter bis hin zu uns ein Vertriebsherz in der Brust schlägt.
Andreas Pohl: Eines steht fest: Wir beide ergänzen uns in vielen Dingen, und das macht uns im Team gemeinsam mit unserem Vater noch stärker.
Sie sind beide verheiratet und haben Kinder. Welche Rolle spielen Ihre Familien in Ihrem Unternehmen, welche das Unternehmen in den Familien?
Andreas Pohl: Wir folgen hier ganz und gar der Tradition meines Vaters und meiner im letzten Jahr leider viel zu früh verstorbenen Mutter, die das Unternehmen mit aufgebaut hat und die uns allen sehr fehlt. Unsere Familien sind Teil des Unternehmens. Das ist gerade für unsere Frauen zwar nicht immer ganz einfach, denn beide werden in dieser Rolle durchaus erheblich beansprucht. Aber es gehört, so meinen wir, zu einem gut funktionierenden Familienunternehmen, dass Familie auch vorgelebt wird.
Reinfried Pohl: Es gibt Berufe, in denen die Einbindung des Lebenspartners immens wichtig und vor allem eine große Chance ist, und zu diesen Berufen gehört auch der des Vermögensberaters. Deshalb leben wir es vor, indem unsere Frauen bei Vertriebsveranstaltungen oder bei Reisen mit unseren Vermögensberatern immer präsent sind. Teilweise nehmen wir auch unsere Kinder mit, was natürlich wegen der Schule nur in Ausnahmefällen geht. Wir machen das, weil unsere Vermögensberater sehen sollen, dass die langfristige Sicherheit des Unternehmens als Familienunternehmen über Generationen hinaus gewährleistet ist.
So verschwimmen die Grenzen zwischen Privatleben und Beruf für die ganze Familie?
Andreas Pohl: Ja. Und genau aus diesem Grunde sind Familienunternehmen oft so erfolgreich, weil die Eigentümer sich zu 100 Prozent in den Dienst ihres Unternehmens stellen. Es ist einfach ein großer Unterschied, ob man als angestellter Manager mit befristetem Vertrag Entscheidungen trifft oder als derjenige, der sein eigenes Unternehmen auf festem Fundament auch an nachfolgende Generationen übergeben will.
Reinfried Pohl: Gerne will ich in diesem Zusammenhang die Bundeskanzlerin zitieren, die unser Unternehmen im November 2008 besucht und vor 8.500 Vermögensberatern eine beeindruckende Rede gehalten hat. Sie sagte: „Familienunternehmen sind das Rückgrat unseres Landes.“ Damit hat sie Recht. Und wir freuen uns über dieses Kompliment, das uns aber gleichermaßen auch Verantwortung auferlegt, die über den Erfolg unseres eigenen Unternehmens hinausgeht.
Zwei Brüder in der gleichen Firma – gibt es auch Nachteile?
Andreas Pohl: Wenn überhaupt, dann den, dass wir beide und unser Vater nicht immer gemeinsam an der gleichen Stelle sein können. Da wir am liebsten unsere Entscheidungen gemeinsam treffen, führt dies natürlich dazu, dass wir uns immer wieder eng austauschen müssen. Das ist angesichts der Fülle der Themen, die es zu regeln gilt, nicht immer ganz einfach. Aber auch da hat ein Familienunternehmen Vorteile: Wir sind untereinander jederzeit erreichbar.
Gibt es nicht manchmal auch so etwas wie Neid auf den Bruder, wenn dem etwas besonders gut gelungen ist?
Reinfried Pohl: Aber nein. Es ist unser Unternehmen. Wenn meinem Bruder etwas besonders gut gelingt, freue ich mich, denn wir profitieren alle. Neid könnte nur dann entstehen, wenn sich einer zurückgesetzt fühlt. Das ist aber für uns kein Thema, da wir beide so intensiv in das Unternehmensgeschehen eingebunden sind, dass gar keine Zeit für solche Gedanken oder Gefühle besteht.
Eine letzte Frage: Einige ehemals erfolgreiche deutsche Familienunternehmen sind derzeit in großen Schwierigkeiten, die Deutsche Vermögensberatung ist weiter auf Erfolgskurs. Was machen Sie anders, besser?
Andreas Pohl: Uns fehlt naturgemäß der detaillierte Einblick in diese Unternehmen, und die Ursachen sind sicherlich im Einzelfall sehr unterschiedlich. Deutlich wird aber eines: Auch ein Familienunternehmen steht voll im Risiko, kann sich verschätzen, übernehmen und – im schlimmsten Falle – verzocken. Schade ist, dass das hohe Ansehen der Familienunternehmen, das ja auch die Bundeskanzlerin erwähnt hat, so doch deutlich in Mitleidenschaft gezogen wird.
Reinfried Pohl: Von uns wird man nichts Vergleichbares hören. Die riskante Übernahme von Wettbewerbern war für uns noch nie ein Thema. Im Übrigen funktioniert dies bei Vertriebsunternehmen auch gar nicht. Stattdessen wollen wir weiter organisch wachsen. Unser Finanzvermögen haben wir sehr konservativ angelegt. Und unsere wirtschaftliche Situation ist so stabil, dass wir viele Stürme unbeschadet überstehen könnten.
