Bundestagswahl: Das wird aus Ihrer Rente
Am Anfang ging es stetig bergauf
Seit Kanzler Konrad Adenauer und seine Mitstreiter bei der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 1957 auf das sogenannte Umlageverfahren setzten, bei dem die Beiträge der Rentenversicherten unmittelbar in die Taschen der Ruheständler wandern, gab es immer wieder Reformen. Ob Öffnung der Rentenversicherung für nicht erwerbstätige Hausfrauen oder Vorruhestand ohne finanzielle Einbußen – die gesetzliche Rente schien Leistungserweiterungen locker wegstecken zu können. Kein Wunder, galten doch die Zeiten bis Mitte der 1960er-Jahre als Babyboomer-Phase. Und so lange genügend künftige Beitragszahler das Licht der Welt erblicken, wird schon alles gut gehen – so die damals gängige Meinung. Adenauer brachte es mit seinem flapsigen Ausspruch „Kinder bekommen die Leute sowieso“ auf den Punkt. Doch die demografische Entwicklung machte den Rentenpolitikern einen Strich durch die Rechnung. Während 1964 noch über 1,3 Millionen Babys zur Welt kamen, waren es 2008 gerade mal rund 675.000. Gleichzeitig werden die Menschen dank guter medizinischer Versorgung immer älter. Ein Ungleichgewicht, das die verantwortlichen Politiker lange Zeit stillschweigend hinnahmen.
Doch seit Anfang der 1990er-Jahre erkannten sie, dass das gesetzliche Rentensystem an die Verhältnisse angepasst werden musste. So verordneten die Bundesregierungen dem System in den letzten Jahren harte Einschnitte. Mit dem Alterseinkünftegesetz von 2005 führte der Gesetzgeber die nachgelagerte Besteuerung der Renten ein, sodass Ruheständler auf ihre Bezüge Einkommenssteuer zahlen müssen, das Rentenniveau sinkt. Während das Bruttorentenniveau 2004 noch rund 47 Prozent ausmachte, soll es im Jahr 2030 maximal auf 43 Prozent sinken.
Schmerzliche Rentenkürzungen
2007 beschloss die Regierung dann, das Rentenalter für alle Jahrgänge ab 1964 auf 67 Jahre anzuheben – das kommt einer Rentenkürzung gleich. Denn wer nicht bis 67 arbeiten kann oder will, muss schmerzliche Leistungsabschläge in Kauf nehmen. Im gleichen Jahr stiegen die Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung von 19,5 auf 19,9 Prozent. Und: Seit dem 1. Januar 2008 spielen schulische Ausbildungszeiten bei der Rentenberechnung keine Rolle mehr.
Vertrauen in die gesetzliche Rente schwindet
Vor der Bundestagswahl steht das Thema Rente bei vielen Politikern auf der Agenda. Der Vermögensberater hat die Rentenexperten der im Bundestag vertretenen Parteien gefragt, was die Bundesbürger von ihnen in puncto Altersvorsorge erwarten können, wenn sie am 27. September gewählt werden. Bisher schwindet das Vertrauen der Menschen in die staatliche Absicherung trotz aller politischen Maßnahmen. Die aktuelle Studie „DIA-Deutschland-Trend-Vorsorge“ des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) zeigt: 80 Prozent der Befragten erwarten bei der gesetzlichen Rente zukünftig Einnahmeausfälle.
Die DIA-Analyse „Gesetzliche und private Altersvorsorge. Risiko und Rendite im Vergleich“ rechnet denn auch vor, wie der Wertzuwachs der staatlichen Rente über die Jahre gesunken ist. So sanken die Renditeerwartungen für ledige westdeutsche Durchschnittsverdiener zwischen 1970 und 2007 nominal um rund fünf bis sechs Prozentpunkte. Viele Bundesbürger setzen längst auf eigene Vorsorge, wie etwa Hilke Rohwer und Frank Peter Kemper.
2001 räumte die Politik mit der Einführung der staatlich geförderten Privatvorsorge, der Riester-Rente, erstmals ein, dass das gesetzliche Ruhegeld allein den Lebensstandard im Alter in Zukunft nicht mehr sichern kann. Ein sinnvoller Schritt, wie die Autoren der DIA-Studie bescheinigen: „Die Rentenpolitik hat zweifellos mit der Neuausrichtung der Altersvorsorge Anfang des Jahrzehnts (ausgehend mit der Riester-Reform) die richtigen Weichen gestellt für eine nachhaltige und sichere Altersvorsorge.“
Kapitalfundierte Altersvorsorge lohnt sich
Private Vorsorge – ob mit Riester-Verträgen, Fondssparplänen oder Rürup-Renten – ist eine entscheidende Säule, um im Ruhestand nicht den Gürtel enger schnallen zu müssen. Doch gerade in wirtschaftlich unruhigen Zeiten stellen sich viele Menschen die Frage, ob die kapitalfundierte Altersabsicherung wirklich sinnvoll und verlässlich ist.
Die Experten sind sich einig: Privat vorzusorgen ist ein Muss. So erklärt etwa Professor Meinhard Miegel, Vorstand der Stiftung Denkwerk Zukunft: „Während sich die Kaufkraft der gesetzlichen Rente seit Anfang der 1980er-Jahre zunächst nicht erhöht und seit einiger Zeit sogar vermindert hat, hat sich beispielsweise der Wert deutscher Anlagen im gleichen Zeitraum – trotz der herben Rückschläge seit Anfang 2008 – real reichlich vervierfacht. Kapitalfundierte Altersvorsorge hat sich also gelohnt, und sie lohnt weiter.“
Die passende Vorsorge für alle Bürger
Damit jeder Bürger das passende private Vorsorgemodell findet, sollte er sich eingehend beraten lassen. Dass dies noch keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt eine repräsentative Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach. Danach haben 39 Prozent der Befragten noch nie das Gespräch mit einem Vermögens-, Bank- oder Versicherungsberater gesucht, obwohl fast zwei Drittel der unter 30-Jährigen ein Vorsorgedefizit erkennen. Damit die Deutschen gelassener in die Zukunft blicken können, bleibt also noch viel zu tun – für jeden Einzelnen und für die politisch Verantwortlichen. Denn wie auch immer die Bundestagswahl ausgehen wird, eins ist sicher: So leicht, wie es sich Adenauer mit seiner These vom Kinderkriegen machte, können sich Politiker heute nicht mehr aus der Affäre ziehen.
