40 Jahre roter Flitzer
Es macht einfach alle zum kleinen Schumi: 2012 feiert das Bobby Car seinen 40. Geburtstag und ist heute mindestens genauso beliebt wie damals – nicht nur bei den Kleinen.
Rot, schnittig und schnell – wer jetzt an einen Ferrari denkt, hat weit gefehlt. Die Rede ist von einem Flitzer mit weitaus weniger PS unter der Haube.
Dennoch hat das Auto trotz seiner bescheidenen Maße von 60 Zentimeter Länge und 40 Zentimeter Höhe mindestens ebenso viele Fans wie die Großen. Und im Gegensatz zu einer Fahrt mit Ferrari & Co. kann vermutlich jeder behaupten, schon einmal mit ihm unterwegs gewesen zu sein: dem Bobby Car.
Vom Plastikauto zum High-Class-Gefährt
Inzwischen gibt es nicht mehr nur den klassischen roten Flitzer mit den typisch treu dreinblickenden Augen und den seitlichen Big-Bobby-Car-Schriftzügen. Bobby-Car-Fahrer von heute cruisen mit Zubehör wie Nummernschild, Anhänger und Stoßdämpfer.
Auch das Design des Bobby Car ist mit ergonomischem Sicherheitslenkrad und Flüsterreifen funktionaler geworden. Und die Bobby-Car-Familie bekommt immer neuen Zuwachs: Silberne Polizeiautos, rosa Hello Kitty Bobby Cars, blaue Renner in Delfin-Optik und das Big Bobby Quad haben längst Einzug in die Kinderzimmer gehalten.
Bobby Car statt Seifenkiste
Auch die Bobby-Car-Fahrer haben sich verändert. Aus den Kindern von einst sind Erwachsene geworden. Manche von ihnen sind von dem Plastikauto noch genauso begeistert wie damals, und die erwachsene Fangemeinde wächst. Anders ist wohl nicht zu erklären, dass seit 1994 in Deutschland regelmäßig Bobby-Car-Rennen stattfinden. Ähnlich wie in der Seifenkiste, flitzen die Fahrer im Bobby Car den Hang hinab.
Der Kult um die Mini-Raser ist inzwischen so groß geworden, dass sich unter der Lizenz des Bobby-Car-Sport-Verbands e. V. jährlich bis zu zehn Meisterschaftsrennen in Deutschland, Österreich und Luxemburg ereignen. Bernd Thoma, Vorsitzender des Verbands, erklärt das so: „In jedem Erwachsenen steckt ein Kind. Und jedes Kind mag das Bobby Car – so kommt eins zum anderen. Mittlerweile rasen um die 100 Fahrer aller Altersklassen pro Saison von Mai bis September die Downhill-Strecken hinab.“
Oft startet gleich die ganze Familie auf der bis zu 1000 Meter langen und mindestens drei Meter breiten Strecke. Bis zu 5.000 Zuschauer verfolgen gebannt die Abfahrten der rasenden Boliden. Für die Sicherheit der Fahrer sorgen Strohballen, Zäune und das entsprechende Rennoutfit.
Anschubsen verboten!
„Die Fahrer starten von einer Rampe. Schwung gibt es nur durch den Hangabtrieb“, sagt Thoma. „Meistens starten zwei Bobby Cars gegeneinander. Es gilt das ‚Doppel-K.o.-System‘, das heißt: Wer zwei Rennen verliert, ist raus. Die letzten acht fahren dann die Platzierungen aus.“ Um möglichst weit vorne dabei zu sein, bauen die Fahrer das Bobby Car so um, dass sie nicht nur das Gewicht eines Erwachsenen, sondern auch Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometern aushalten – und das ganz ohne Motor. Um bei den offiziellen Rennen starten zu können, gibt es jedoch in Sachen Tuning vom Dachverband feste Vorgaben.
Jeder, der an den Start geht, bekommt entsprechend seiner Platzierung Weltranglistenpunkte, ähnlich wie in der Formel 1. Am Ende der Saison steht dann fest, wer sich den begehrten Titel als schnellster Fahrer holt. Na dann: Gute Fahrt!
Die steile Karriere des Bobby Car
1972 wurde das erste Bobby Car vom Unternehmen BIG produziert. Es sollte Kleinkinder beim Laufenlernen unterstützen. 2004 übernahm die Simba-Dickie-Group das weiterhin unter dem Namen BIG geführte Unternehmen. Ein Jahr später schuf BIG mit dem New Bobby Car eine modernere Variante des Rutschautos. Sirene, Schuhschoner, Schubstange: Die Produktpalette wächst genauso wie die Bobby-Car-Familie. Inzwischen gibt es Sondereditionen und Flitzer in allen Farben und Designs. Bis heute wurden mehr als 16 Millionen Bobby Cars gebaut, die in über 30 Ländern unterwegs sind. Nach Herstellerangaben ist es das weltweit meistverkaufte Kinderrutschauto.
Tuning-Tipps fürs Bobby Car
Beton-Bolide: Damit das Plastikauto schneller fährt, gießen erfolgreiche Fahrer das Innere des Bobby-Car-Körpers mit Beton aus. Laut Satzung des Bobby-Car-Sport-Verbands e. V. darf der Flitzer jedoch bei offiziellen Rennen nicht mehr als 40 Kilogramm wiegen.
Reifenwechsel: Die original Plastikräder des Bobby Car halten den enormen Belastungen einer Rennstrecke nicht stand. Luftgummi- oder Hartgummi-Reifen bestehen auch die schnellste Abfahrt. Sie dürfen jedoch laut Satzung einen Durchmesser von 24 Zentimetern nicht überschreiten.
Auf Achse: Eine sichere Fahrt bei hohem Tempo klappt nur mit verstärkten Achsen: Das Bobby Car ist bei einem Rennen mehr Gewicht ausgesetzt als zu Hause im Wohnzimmer.
Freiheit: Beine von Erwachsenen haben wenig Platz zwischen Lenker und Bobby-Car-Körper. Deshalb verlängern erfolgreiche Fahrer die Lenkstange nach oben. Die Außenmaße des Bobby Car dürfen laut Satzung jedoch nicht verändert werden. Das Gefährt als solches muss trotz Tuning noch als Bobby Car erkennbar sein.
Höcker ab: Ohne Sitzhöcker liegt der Fahrer flacher auf dem Flitzer und bekommt mehr Geschwindigkeit. Für mehr Halt sorgen seitliche Haltebügel.


