Die Launen eines Kurvenstars

Das Jahr 1815

Soeben hat Nathan Rothschild, Bankier in London, von einem seiner Kuriere die Nachricht vom Sieg der Briten in Waterloo erhalten. Jetzt verkauft er an der Londoner Börse im großen Stil Staatsanleihen. Nach dem Motto „Rothschild muss es wissen, die Schlacht ist verloren“ ziehen die anderen Händler nach und der Kurs sinkt. Keiner ahnt, dass Rothschild blufft. Auf einmal kauft er wieder Anleihen. Als die Siegesnachricht von Waterloo in der britischen Hauptstadt bekannt wird, schießt der Kurs der Papiere in die Höhe.

Der Finanzjongleur erkannte schon damals, dass das Auf und Ab an der Börse nicht nur von Fakten beeinflusst wird. Sicher, zu einem großen Teil sind die inneren Werte der Unternehmen für ihre Kursentwicklung entscheidend. Der US-amerikanische Börsenguru Warren Buffett setzt seit Jahrzehnten erfolgreich auf das Motto, Anlageentscheidungen nur auf der Basis der tatsächlichen Firmenwerte zu tätigen. Beispiel: 1982 fiel der Kurs von American Express aufgrund eines Skandals um Salatöl beträchtlich. Viele Anleger sahen den Konzern vor dem Abgrund. Buffett allerdings schaute sich das eigentliche Geschäft von American Express an – Kreditkarten und Reiseschecks: Die Firma war insgesamt gesund. Er kaufte im großen Umfang Aktien und gewann damit viel Geld.

Die Macht der Psychologie

Ginge es an der Börse nur um Gewinn und Verlust des Unternehmens, wären im Jahr 2000 Internetfirmen, die nur rote Zahlen schrieben, nicht so hoch gehandelt worden. Andersherum: Wie ist es zu erklären, dass die Aktie einer gut dastehenden Firma, die beispielsweise Stützstrümpfe herstellt, vor sich hin dümpelt? Wirtschaftspsychologen sprechen von „Stimmungen“ und „Erwartungen“. Mit Aktien seien ebenso Assoziationen verbunden wie mit Produkten, etwa Autos oder Sportschuhen. Dax, Dow und Co. werden aber auch verstärkt von Wirtschaftsindizes beeinflusst. Monatlich, jedes Quartal oder auch halbjährlich bringen neueste Zahlen die Börse in Aufruhr. Sie heißen ifo Geschäftsklima oder ZEWIndikator. Sind die Vorgaben negativ, kann das schnell auf den Aktienmarkt durchschlagen – national und international. Um an der Börse Erfolg zu haben, ist es demnach entscheidend zu wissen, welche Faktoren die Aktienmärkte beeinflussen – aber eben auch, wie diese zu bewerten sind. Wichtig: Laien können die Börsenschwankungen oft schwer einschätzen. Deshalb ist es sinnvoll, bei der chancenreichen Anlage etwa in Aktienfonds auf die Unterstützung und das Know-how von Experten wie Fondsmanagern zu setzen.

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