Für Deutschland geht’s aufwärts
2009 wird das Jahr der schärfsten Rezession nach dem Zweiten Weltkrieg
Am Ende wird das Sozialprodukt rund fünf Prozent niedriger liegen als 2008. Das ist bitter. Der rezessive Einbruch lag in Deutschland vor allem im Winterhalbjahr 2008/2009 und war entscheidend durch den Exporteinbruch und die nachfolgende Investitionsstarre gekennzeichnet. Rasche und starke geld- und finanzpolitische Gegenmaßnahmen, das Ende des Lagerabbaus und die gesunkenen Rohstoffpreise haben die Rezession gestoppt. Ob es zum Aufschwung kommt, ist noch nicht sicher.
Da ist insbesondere zu befürchten, dass der dramatische Einbruch der Weltnachfrage noch zu Unternehmenszusammenbrüchen führt, dass die Beschäftigung deutlich sinkt und die Arbeitslosigkeit steigt. Bisher haben die Unternehmen mit Überstundenabbau und Kurzarbeit die Dinge abzufangen versucht – dies reicht wegen der Schwere des Nachfrageeinbruchs nicht aus. Damit besteht die starke Gefahr, dass das bislang recht robuste Kaufverhalten der Konsumenten gefährdet wird: Die Einzelhandelsumsätze werden dann schrumpfen. Manche Beobachter sagen, das sei nach Auslaufen der Abwrackprämie unvermeidlich gewesen. Hierzu wäre vieles zu sagen – aber keineswegs nur Negatives über diese konjunkturpolitische Maßnahme. Da viele der staatlichen Konjunkturstützungsmaßnahmen erst verzögert wirksam werden, so vor allem die Investitionsausgaben, dürfte per Saldo die Wirtschaft vor allem 2010 davon gestützt werden. Bei den Auftragseingängen der Industrie zeigen sich erste Schwalben, und in einigen Ländern Asiens sind sogar schon Erholungstendenzen auszumachen.
Die Kaufkraft bleibt stabil
Damit sollte gesichert sein, dass 2010 das Sozialprodukt nicht noch einmal sinkt, ja möglicherweise sogar leicht ansteigt. Die Exporte werden neben den staatlichen Investitionsausgaben der wichtigste Antriebsfaktor sein. Der private Konsum wird wegen der um rund eine Million steigenden Arbeitslosigkeit sinken. In die gleiche Richtung wirkt auch der geringere Lohnanstieg. Zum Glück wird 2010 die Kaufkraft erneut nicht durch Preisniveausteigerungen beeinträchtigt. So wie im Sommer und Herbst 2009 allerdings, als das Preisniveau unter dem der entsprechenden Vorjahresmonate lag, wird es nicht bleiben.
Bei einer solch eher verhaltenen Konjunkturbesserung spricht wenig dafür, dass die Zinsen steigen, und schon gar nicht in stärkerem Umfang. Eine Zinssteigerung könnte durch einen sich aufwertenden Euro sogar ganz unterbleiben. Da die Aktienkurse 2009 der wirtschaftlichen Besserung um so vieles enteilt sind, dürfte der DAX – ebenso wie andere Aktienindizes – nur mit Zögern weiter steigen. Allerdings: Der Mangel an alternativen Assetklassen, die attraktiv sind, und die reichliche Liquidität sprechen eher für einen Anstieg als für ein Absacken: also am Ende 2010 eher 5.500 als 4.500 Punkte.
