“Herausforderungen muss man annehmen.“ Michael Schumacher
Herausforderungen sind dazu da, sie anzunehmen
Zögern und zaudern bringen niemanden nach vorn. Hätte ich immer im Voraus darüber nachgedacht, was alles nicht klappen könnte, hätte ich nie so viele Erfolge in der Formel 1 einfahren können. Deshalb bereue ich nicht, ein Comeback auf der Rennstrecke zumindest versucht zu haben. Dass es nach meinem Motorradunfall im Februar, als ich mir Brüche im Kopf- und Halsbereich zugezogen hatte, ein kleines Fragezeichen gab, habe ich nie verheimlicht. Ebenso wenig, dass die Gesundheit vorgeht – das war eine klare Absprache mit Ferrari und mit meiner Frau. Dennoch, vor meinem Comeback-Versuch sah alles danach aus, dass es klappen würde. Ich konnte längst wieder problemlos sogar Motorrad fahren, daher dachte ich, mein Nacken hält auch die extreme Belastung der Formel 1 aus. Aber es war klar: Man kann es nur ausprobieren, man kann es durch nichts simulieren. Trotz dieses Fragezeichens vor meiner Rückkehr bin ich mit Vollgas in die Vorbereitung gestartet. Ich wollte dem Ferrari-Team und dem verletzten Felipe Massa zur Seite stehen. Dabei wurde ich getragen von einer unglaublichen Welle der Euphorie und der positiven Energie, die mir von den Fans und den Jungs bei Ferrari entgegenströmte. In diesen Momenten habe ich wieder einmal gespürt, dass die Erwartungen der anderen eine wichtige Triebfeder sein können. Doch noch wichtiger, als auf die Hoffnungen der anderen zu reagieren, sind die Erwartungen an sich selbst. Sie bringen Menschen dazu, Herausforderungen anzunehmen und alles für den Erfolg zu geben. Wenn dieser innere Antrieb fehlt, kann auch das beste Team der Welt wenig ausrichten.
Hohe Erwartungen an sich selbst
Ich persönlich liebe Herausforderungen. Und ich hatte immer hohe Erwartungen an mich selbst. Für mich kommt nur eines in Frage: kämpfen, bis sich nichts mehr dreht und nichts mehr geht. In der Formel 1 kann ein technisches Problem das Aus bedeuten, wie 2006 in Suzuka, als sich nach einem Motorplatzer meine Chancen auf den achten Weltmeistertitel in Rauch auflösten –, oder auch die Gesundheit. Ich war natürlich zutiefst enttäuscht, dass aus meinem Comeback schließlich nichts wurde. Doch während meiner aktiven Zeit in der Formel 1 habe ich gelernt: Es gibt im Sport wie im Leben Auf und Ab. Meine Strategie im Umgang mit Rückschlägen und Niederlagen besteht darin, mich nicht zu lange mit Rückblicken aufzuhalten. Stattdessen nehme ich lieber neue Ziele und Herausforderungen ins Visier.
