„Wir Deutsche müssen unsere Stärken verteidigen“
Heinz Dürr, Ex-Chef der Deutschen Bahn und Aufsichtsratschef des Maschinen- und Anlagenbauers Dürr, spricht im Vermögensberater über Managergehälter, Konkurrenz und die Finanzkrise.
Herr Dürr, aus Ihrer Sicht: Wo steht Deutschland heute?
Als wir nach dem Krieg angefangen haben, waren wir wirklich gut: Wir haben anderen Nationen mit unserer Wirtschaftsleistung Respekt eingeflößt. Heute sind andere Länder in dieser Position. Wir müssen unsere Konkurrenz beobachten. Es geht nicht, dass wir lamentieren, die Japaner nähmen uns Geschäft weg, und gleichzeitig fahren wir japanische Autos. Wir besitzen immer noch große Stärken, die müssen wir verteidigen.
Wirtschaftsexperten erwarten für 2009 eine Rezession. Müssen wir uns Sorgen machen?
Die kräftigen Zuwächse der 60er- und 70er-Jahre erzielen wir heute nicht mehr. Wir müssen uns etwas einfallen lassen. Bei der Dürr-Gruppe beispielsweise haben wir vor einiger Zeit Prozesse umgestellt, weil wir nicht mehr konkurrenzfähig waren. Zunächst mussten wir Leute entlassen, inzwischen stellen wir wieder ein.
Manager genießen heute nicht den besten Ruf. Zu Recht?
Dazu ein Beispiel: 1995 erhielt der 13-köpfige Vorstand der Deutsche Bahn AG 7,1 Millionen D-Mark, 2007 bekamen die acht Vorstände insgesamt 14,3 Millionen Euro. Besonders fatal ist aber, wenn hochbezahlte Manager ihren Geschäften nicht vernünftig nachgehen. Es gibt allerdings auch viele andere, Familienunternehmer etwa. Wenn die gefragte Produkte herstellen und sich um ihre Mitarbeiter kümmern, sind sie eine Stütze der Gesellschaft.
Wenn Sie könnten: Welche drei Dinge würden Sie verändern?
Ich würde mich für mehr frühkindliche Bildung einsetzen. Zweitens würde ich die Verantwortlichen wie Manager und Politiker anhalten, mehr soziale Verantwortung zu übernehmen. Und drittens würde ich dafür sorgen, dass die Welt die Finanzkrise schnell überwindet.
