Der will doch nur spielen
“Kinder brauchen Abenteuer“
…, sagt Henning Baum. Und wenn er mit seiner tiefen Stimme von seiner bewegten Jugend erzählt, entsteht der Eindruck von Verwegenheit. „Ich habe mir meine Freiheit einfach genommen.“ Schon mit fünf Jahren zog er mit Freunden um die Häuser. Das Ruhrgebiet betrachtete der Essener als riesengroßen Abenteuerspielplatz. Die eine oder andere Rauferei gehörte für den 36-Jährigen zum Großwerden dazu – und fehlt ihm heute in vielen deutschen Fernsehfilmen. „Ein richtiger Krimi braucht eine realistische Härte“, sagt Baum, der als Polizist ebenso glaubwürdig rüberkommt wie als Gangster. „Ob im Film oder im Leben: Ich mag keine endlosen Diskussionen, ich will Taten sehen.“
Er selbst hat derzeit genug Action, der Schauspieler ist gut im Geschäft. Nach seinem Debüt am Theater und Auftritten in Kinofilmen oder TV-Produktionen wie „Der Seewolf“ flimmert er im Sommer 2009 als halb cooler, halb tragischer Serienheld über die Mattscheibe. Beim TV-Sender Sat 1 verkörpert Baum einen Polizisten, der nach 20 Jahren aus dem Koma erwacht. Inzwischen ist die Tochter erwachsen, die Ehefrau hat einen neuen Partner, und die Polizeiarbeit ist auch nicht mehr das, was sie mal war. „Die Leidenschaft für seinen Beruf ist anfangs das Einzige, was ihm Kraft gibt“, sagt Baum über die Filmfigur.
Er selbst kennt die Liebe zum Beruf, er kann in einer Rolle vollkommen aufgehen: „Wenn ich mit einem guten Team zusammenarbeite, feuern wir uns gegenseitig an.“ Ist er spielwütig? Bei der Antwort zögert er: „Vielleicht. Ich kann zu interessanten Drehbüchern einfach nicht Nein sagen.“ Weil ihm das Publikum diese Spielfreude ansieht, wurde Baum 2004 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.
Nach Drehschluss in die Boxstiefel
Wenn die letzte Klappe gefallen ist, entspannt sich der 1,84-Meter-Mann bei seiner Frau und den drei Kindern. Seinen athletischen Körper hält er mit Boxübungen fit. Regelmäßig springt der blonde Hüne zu Instrumentalmusik Seil, trainiert präzise Schlagkombinationen oder bearbeitet den Sandsack. Auch in Finanzangelegenheiten setzt Baum auf eine schlagkräftige Strategie. Und wie es sich für einen Boxer gehört, greift er auf einen Sparringspartner zurück: „Ich höre mir gerne die Tipps meines Vermögensberaters an.“ Dabei setzt er bevorzugt auf stabile Anlagen. „Es war mir schon immer wichtig, finanziell abgesichert zu sein.“ Denn so sehr der markige Typ Action und Abenteuer liebt – in Sachen Geld geht er kein Risiko ein.
