Leben retten wird leichter

„Guten Tag, Da Vinci mein Name …

…, ich operiere Sie heute“, stellt der Chirurg sich mit leicht blecherner Stimme vor. Dann rollt er mit einem leisen Surren an die Kopfseite des Tisches. Mit mechanischen Bewegungen schaltet er sein Operationslicht an. Seine metallenen Finger greifen nach dem Laser-Skalpell. Dann legt er los.

In Zukunft sind Roboter aus dem Operationssaal nicht mehr wegzudenken. Da Vinci gibt es heute schon, er spricht zwar nicht, entfernt aber bereits Prostatakrebs, legt Bypässe und assistiert bei Gehirn-OPs. Er und sein Roboter-Kollege Caspar unterstützen Mediziner in der ganzen Welt, sie schneiden und fräsen wesentlich präziser als Ärzte aus Fleisch und Blut. Die Folge: Solche Eingriffe belasten den Patienten weniger stark, er erholt sich oft doppelt so schnell wie nach einer herkömmlichen Operation. Ein weiterer Vorteil ist die Mini-Kamera, die der Roboter in den Körper einführt. Sie überträgt das Operationsfeld zehnfach vergrößert und dreidimensional auf den Monitor des Mediziners. „Mit dem Einsatz dieser roboterunterstützten Technologie ist während der Operation eine bisher nicht gekannte Präzision und vergrößerte 3-D-Sicht garantiert“, sagt Prof. Dr. Markus Müller, Chefarzt der Urologischen Klinik in Ludwigshafen über Da Vinci.

Heilendes Licht

Die OP-Automaten arbeiten meist mit Lasern, also künstlichen Lichtstrahlen. Je nach ihrer Wellenlänge können sie mit Hochpräzision krankes Gewebe abtrennen oder Körperstellen nur sachte abtasten – ähnlich funktionieren DVD-Player. Bisher korrigieren Laser üblicherweise Kurzsichtigkeit, entfernen unliebsame Körperhaare oder lassen Narben verschwinden. In Zukunft werden sie verstärkt in der Früherkennung eingesetzt werden. Mit den Laserstrahlen kann der Mediziner den Patienten unter die Haut schauen – ohne Gewebeproben entnehmen zu müssen.

In einigen Jahren werden wohl fast alle deutschen Arztpraxen Lasertechnik einsetzen. Im radiochirurgischen Behandlungszentrum in Krefeld arbeitet Gamma-Knife bereits mit der richtigen Wellenlänge. Der innovative Hightechapparat bündelt Strahlen exakt auf einem Punkt und zerstört so Tumore im Kopfbereich – ohne die Kopfhaut zu verletzen. Diese schmerzfreie Bestrahlungstechnik hat schon so manchen Patienten vor dem Operationssaal bewahrt. Der Eingriff wird sogar ambulant durchgeführt. Nach einer kurzen Erholungsphase können die Patienten nach Hause gehen – mit Glück vollständig geheilt.

Keine Tierversuche mehr

Auf einem ganz anderen Gebiet forscht das Fraunhofer-Institut. Hier versuchen die Forscher, einzelne Organe außerhalb des menschlichen Körpers am Leben zu erhalten. „Unsere künstlichen Organsysteme zielen darauf ab, eine Alternative für Tierversuche zu bieten“, erklärt Professorin Heike Mertsching vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart. „Zumal der Stoffwechsel von Mensch und Tier unterschiedlich ist.“ Erste Experimente mit einer Leber und einem künstlichen Kreislaufsystem verliefen vielversprechend.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Herstellung von Sehnen oder Blutgefäßen im Reagenzglas aus menschlicher DNA. In Zukunft könnten ganze Organe in Nährsubstanzen heranwachsen. Noch wird allerdings heiß diskutiert, ob es ethisch vertretbar ist, menschliche Körperteile im Labor zu züchten.

Zuckerkugeln gegen Krebs

Auch die Pharmaforscher schlafen nicht. Sie arbeiten an der Entwicklung von Medikamenten gegen bisher unheilbare Krankheiten. Da viele Viren bereits resistent gegen Antibiotika sind, erzeugen die Forscher vom Max-Planck-Institut zum Beispiel heilende Eiweiße aus Tabakpflanzen.

Außerdem arbeiten sie daran, Medikamente zu kreieren, die direkt in den Krankheitsherd wandern. Chemiker am Max-Planck-Institut haben Mikrokapseln erzeugt, deren Außenwände aus Zucker bestehen. Innen ist Platz für Wirkstoffe. Die Kugeln sollen wie winzige Transport-U-Boote durch den Körper schwimmen, um zum Beispiel an Tumorzellen anzudocken und ihnen den Garaus zu machen.

Da Vinci muss weder Antibiotika noch Zuckermoleküle schlucken. Sollten den Roboter einmal Viren befallen, muss er auf den Tisch eines Software-Experten. Der wird dann möglicherweise auch zum Laser-Werkzeug greifen.

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