Mit Herzblut auf dem richtigen Weg

Die Roten Teufel sind zurück: Der 1. FC Kaiserslautern spielt wieder in der Ersten Bundesliga. Lautern-Chef Stefan Kuntz (rechts) und Coach Marco Kurz (links) über Titel, Training, Fans und Finanzen.

Herr Kurz, als Sie den Trainerposten im Sommer 2009 übernommen haben, war an Aufstieg noch nicht zu denken. Wie haben Sie es geschafft, aus der Mannschaft eine verschworene Einheit zu formen?

MK: Ich konnte nicht antreten und sagen: Wir wollen aufsteigen. Das war zu diesem Zeitpunkt einfach nicht richtig. Wir wollten uns von Woche zu Woche verbessern. Wenn man sich den Verlauf dieser Wahnsinnssaison anschaut, zeigt sich, dass wir sehr konstant aufgetreten sind und meine Spieler zudem sehr konzentriert umgesetzt haben, was wir vorgegeben haben.

Ob Yoga, Meditation oder Hypnose – einige Fußballtrainer setzen auf eher unorthodoxe Methoden zur Spielermotivation. Haben Sie auch einen Trainings-Geheimtipp?

MK: In erster Linie geht es mir darum, dass die Spieler ihr Potenzial ausschöpfen können. Hierzu nutzen wir sämtliche seriösen Mittel. Dazu gehören moderne Trainingsmethoden, aber auch der gute alte Medizinball oder Läufe über die Treppen des Fritz-Walter-Stadions.

Sie gelten als Malocher: Welche Tugenden sind Ihnen im Fußballsport wichtig?

MK: Dass man mich als Malocher wahrnimmt, ist mir so nicht bewusst. Grundsätzlich ist es mir lieber, wenn meine Spieler die verschiedenen Situationen auf dem Feld spielerisch lösen. Ich möchte aber ebenso, dass man spürt, dass meine Mannschaft wirklich alles abrufen will – denn dann verzeihen die Fans auch Fehler.

Laut eigener Aussagen sind Sie schnell „mit dem Betze-Virus infiziert worden“. Was ist das Besondere am FCK?

MK: Die Unterstützung und das Herzblut einer ganzen Region, die bedingungslos hinter dem Verein steht, das macht den „Betze“ aus. Die Unterstützung der Fans auch auf fremden Plätzen ist für meine Mannschaft unglaublich wichtig. Wir hatten in der Saison eigentlich kein einziges wirkliches Auswärtsspiel, denn auch die FCK-Fans sind überall dabei und verbreiten „Betze-Feeling“.

Was wünschen Sie sich für die nächste Saison?

MK: Wir wollen erst einmal eine gute Gruppe zusammenbekommen. Nur über das Kollektiv im Verein, mit der Mannschaft und mit dem Umfeld ist unser Ziel erreichbar. Allen muss klar sein: Es kann nur um den Klassenerhalt gehen.

Herr Kuntz, endlich wieder erstklassig: Was waren die entscheidenden Faktoren, dass es dieses Jahr geklappt hat?

SK: Wir haben mit Marco Kurz einen erstklassigen Trainer verpflichtet. Er hat mit den guten Neueinkäufen und den schon vorhandenen Spielern sehr schnell eine stark spielende Einheit gebaut, die die Herzen der Fans mit einigen begeisternden Auftritten zurückerobern konnte.

Als Sie vor zwei Jahren zum FCK kamen, schien schon alles zu spät. Wie haben Sie es geschafft, Lautern wieder auf die Spur zu bringen?

SK: Der Verein ist in seiner Außendarstellung besser geworden, und so wurde die Identifikation zwischen Stadt, Fans, Sponsoren sowie Mannschaft und Verein wiederhergestellt. Zusammen mit meinem Vorstandskollegen Dr. Johannes Ohlinger haben wir die finanzielle Talfahrt stoppen können und sind nun – ganz langsam – wieder auf dem richtigen Weg.

13 Jahre lang stand Ihnen die Deutsche Vermögensberatung als Hauptsponsor zur Seite. Wie beurteilen Sie diese Partnerschaft?

SK: Wir danken Prof. Dr. Reinfried Pohl und der Deutschen Vermögensberatung herzlich für die hervorragende Zusammenarbeit und die Unterstützung als Hauptsponsor des Clubs – eine Partnerschaft, die wohl einzigartig im deutschen Fußball ist. Uns war es ein besonderes Anliegen, dem Wunsch der DVAG, die Brust des FCK-Trikots frei zu machen, nachzukommen und die enge Partnerschaft dennoch weiter bestehen zu lassen.

Kaiserslautern hat den Sprung ins Oberhaus geschafft – ist der Verein jetzt erst mal aus dem Schneider?

SK: Nein, aufgrund der vierjährigen Vergangenheit in der 2. Liga und der damit verbundenen Differenz auf der Einnahmeseite des Vereins im Vergleich zu anderen Bundesligavereinen müssen wir drei Jahre am Stück in der Bundesliga bleiben, um an den nächsten sportlichen und wirtschaftlichen Schritt zu denken.

Worauf freuen Sie sich in der kommenden Saison besonders?

SK: Auf die Duelle gegen die großen Mannschaften der Bundesliga auf dem Betzenberg oder auch in den tollen Stadien der Liga und natürlich die Anstoßzeit 15.30 Uhr am Samstagnachmittag.

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