Supermann Biedermann

Als Kind war Paul Biedermann eher pummelig

Und als der Vierjährige zum ersten Mal 25 Meter schwimmen sollte, musste er vor dem Anschlag aufgeben. Das klingt nicht wie der verheißungsvolle Beginn einer Schwimmerkarriere. Doch Biedermann ist ein klassischer Spätstarter und ein echter Kämpfer. Sein Seepferdchenabzeichen holte er im zweiten Anlauf. Es folgten unter anderem bislang 21 Deutsche- und zwei Europa-Meister-Titel. Im – für einen Schwimmer recht fortgeschrittenen – Alter von 22 Jahren gelang Biedermann sein bisher größter Coup: Er kraulte quasi über Nacht in die oberste Liga der Weltstars.

Neben das Seepferdchenabzeichen kann sich der 23-Jährige jetzt zwei Goldmedaillen in die Vitrine legen. Beide holte er im Juli 2009 bei den Schwimmweltmeisterschaften in Rom. „Der Deutsche zerstückelt den größten Schwimmer aller Zeiten“, schrieb die italienische Gazette Tuttosport. Gemeint war der spektakuläre Sieg über den US-Superstar Michael Phelps, der auf der 200-Meter-Freistilstrecke bis dahin als uneinholbar galt. Doch nach rund 60 Armschlägen im römischen Becken schlug Biedermann als Erster an und brach nebenbei auch noch Phelps‘ Weltrekord. Gold und Weltrekord holte er am gleichen Tag auch noch auf 400 Meter Freistil. „Es ist unglaublich, fantastisch“, schwärmte der Shootingstar sichtlich überwältigt. „Ich hatte so viel Spaß!“

Lieber in Badehose

Kurz nach den Rennen war viel von seinem Schwimmanzug die Rede. Eine halbe Stunde braucht der 1,94-Meter-Mann, um sich die hautenge Hightechbekleidung überzustreifen. Sie gibt ihrem Träger enormen Auftrieb, reduziert den Wasserwiderstand. So pflügt der Athlet gewissermaßen wie ein Luftkissenboot durchs Becken. „Eine bis zwei Sekunden macht der Anzug aus“, schätzt Biedermann. Ab 2010 sind die Wunderanzüge verboten. Ihn stört’s nicht: „Ich schwimme sowieso lieber in Badehose.“ Für seinen Erfolg verantwortlich sei vor allem hartes Training, betont er. Jedes Jahr absolviert er 2.300 Trainingskilometer. Seit er 2001 mit Frank Embacher einen neuen Coach bekam, hat sich sein Körper so richtig entwickelt. Die beachtlichen 110 Zentimeter Brustumfang beispielsweise hat er sich erst antrainieren müssen.

Den nötigen Biss für seine Schwimmduelle holt sich der Heavy-Metal-Musikfan über seine Kopfhörer. Mit Metallica,
AC/DC oder Rammstein bringt er sich vor dem Wettkampf in Stimmung. Deren Songs verleihen ihm das Quäntchen Aggression, das ihm hilft, seine Gegner zu überrunden.

Privat ist Paul Biedermann eher der nette Typ. Weil er zudem noch gut aussieht, ist er ein echter Traum für Werbepartner und Sponsoren. Hauptsponsor der ersten Stunde: die Deutsche Vermögensberatung. Doch trotz lukrativer Angebote bleibt der Hallenser, der zurzeit ein Praktikum bei den örtlichen Wasserwerken absolviert, auf dem Teppich. Was macht Biedermann mit dem Geld? „Das spare ich für später.“ Als Spätstarter weiß er eben: Es lohnt sich, auf die Zukunft zu setzen.

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