Wenn der Strom spazieren fährt

Wer gelegentlich bei der Parkplatzsuche

… über sein großes Auto stöhnt, könnte sich vermutlich glatt in den iChange verlieben. Das Konzeptauto ist im Urzustand ein schicker Einsitzer mit Platz für den Fahrer. Doch auf Wunsch pumpt es sich innerhalb von vier Sekunden zu einem Dreisitzer auf, indem das Dach hinten um 15 Zentimeter angehoben wird. Damit lässt sich auch die Kleinfamilie mühelos von A nach B kutschieren. Werden die Rücksitze nicht mehr gebraucht, senkt sich das Dach wieder nach unten. Das Auto ist dann windschnittiger, verbraucht weniger Kraftstoff und passt auch in kleine Parklücken. Das Zukunftsmodell des Schweizer Ingenieurs Frank Rinderknecht ist eine Antwort auf die Frage nach sparsamen und vor allem umweltschonenden Autos. Ein Elektromotor komplettiert das Sparmobil und beschleunigt es mit seinen 204 PS auf stolze 220 Stundenkilometer. Entwickler Rinderknecht, einer der visionärsten Autobauer der Welt, sieht den iChange als „Symbol für den fundamentalen Umbruch“ in der Automobilwelt.

Keine Utopie, denn die deutsche Industrie bereitet sich seit Jahrzehnten auf den flächendeckenden Einsatz von energie- und umweltschonenden Fahrzeugen vor. Das Ziel: ein bezahlbares, alltagstaugliches Elektroauto in Großserie. Alle namhaften Automobilkonzerne bieten in ihrem Sortiment mittlerweile Hybridautos an, eine Vorstufe des komplett mit Elektroantrieb ausgestatteten Fahrzeugs.

Hybridautos sind sowohl mit Verbrennungs- als auch mit Elektromotor ausgestattet, je nach Leistungsanforderung greift die Maschine entweder auf den einen oder den anderen Antrieb zu. Bei Stadtfahrten spart der Elektromotor Kosten und Abgase. An Ampeln schaltet sich grundsätzlich der Benzinmotor ab, beim Anfahren reicht der Elektroantrieb. Für Fahrten mit hohem Tempo und starker Beschleunigung benötigen die Hybridautos allerdings noch das Benzinaggregat.

Strom tanken, Geld sparen

Konzeptstudio des Audi e-tron

Audi e-tron: Der Sportwagen mit Elektromotor ist bis jetzt nur als Prototyp entwickelt

Mittelfristig hoffen viele Autobauer, vollständig auf den Elektroantrieb setzen zu können. Das größte Hindernis für Elektrofahrzeuge sind derzeit noch die schwachen Akkus. Aufgrund ihrer geringen Speicherkapazität ist die Fahrt in einem Stromauto nach etwa 200 Kilometern schon vorbei. Laut einer Studie sind 80 Prozent der gefahrenen Strecken in Deutschland kürzer als 20 Kilometer. Für Kurzstrecken eignen sich Elektroautos zwar heute schon, alles andere ist aber noch Zukunftsvision.

So forschen Wissenschaftler auf Hochtouren am „Super-Akku“, der Energie für Hunderte von Kilometern liefert und gleichzeitig noch eine geringe Ladezeit besitzt. Weiteres Manko der Batteriezellen von heute: Mit rund 15.000 Euro sind sie extrem teuer – und halten nicht einmal ein Autoleben lang.

Da erscheint eine andere Vision verlockend: das Elektrofahrzeug als mobiler Stromspeicher und damit als Einnahmequelle für den Besitzer. Hier können Batterien Energie nicht nur speichern, sondern auch wieder abgeben. Nachts würde der Wagen zu günstigen Stromtarifen geladen, und tagsüber, wenn das Auto etwa auf dem Firmenparkplatz oder im Parkhaus steht, gibt es den überschüssigen Strom zu Spitzenpreisen ab.

Auch für große Energieversorger wären Elektroautos eine interessante Alternative zur Stromspeicherung. Die E-Autos könnten etwa regenerativ erzeugte Energie speichern, wenn Wind- oder Solarkraftwerke witterungsbedingt mehr Strom erzeugen, als gerade benötigt wird. Steigt die Stromnachfrage, speisen die Autos ihn einfach wieder ins Netz ein. Bis 2020 sehen Forscher ein Potenzial von 4,5 Millionen Elektroautos, die ihre Energie über das bestehende Stromnetz beziehen können.

Trotz diverser Nachteile steigt bei Autofahrern die Akzeptanz gegenüber Hybrid- beziehungsweise Elektroautos. Laut einer Continental-Studie aus dem Jahr 2009 wächst der Bekanntheitsgrad alternativer Antriebe stetig. Zudem seien immer mehr Menschen bereit, auf umweltfreundliche Modelle umzusteigen. Der hohe Anschaffungspreis ist aber immer noch eine Hürde: Lediglich 28,4 Prozent der Deutschen können sich momentan vorstellen, einen Hybridwagen zu kaufen. 58 Prozent der Autofahrer würden allerdings sofort zugreifen – wenn ihnen der Staat beim Kauf der umweltfreundlichen Autos unter die Arme griffe.

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